ZUKUNFTSFORSCHUNG

Zukunftsforschung ist auch dazu da, Erkenntnisse über die komplexen gesellschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Zusammenhänge unserer Welt zu gewinnen. Daraus sollten Handlungsempfehlungen zur Gestaltung wünschenswerter Zukünfte abgeleitet werden. 

Eine so verstandene Zukunftsforschung ist immer auch Philosophie.

Vor dem Hintergrund der vielfältigen und historisch einmaligen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist die Zukunftsforschung aufgefordert, die Gestaltung der Lebenswelt im Sinne des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung zu fördern.

Zukunftsforschung sollte deshalb mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung verbunden sein.  

Die Zukunft ist offen, wir wissen nichts über sie. Deshalb spricht die Zukunftsforschung von möglichen Zukünften. Wir können aber viele mögliche Zukünfte mitgestalten. Dabei sollten die Folgen unserer Handlungen so gut es geht einbezogen und respektiert werden. Um die Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu fördern, sind die Grenzen des Machbaren ethisch zu hinterfragen und gesellschaftlich zu reglementieren.

Zukunftsforschung kann dazu wertvolle Beiträge leisten.  


Ich arbeite seit den frühen 1970er-Jahren an Themen der interdisziplinär ausgerichteten Zukunftsforschung mit dem Ziel, aus ihr Wissen und Orientierung zur Gestaltung wünschenswerter Zukünfte zu bekommen. Außerdem möchte ich dazu beitragen, dass die Personen und Institutionen, die Zukunftsforschung betreiben, sich primär mit den Herausforderungen der globalen Krise und den Chancen zur Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigen. In meinen Büchern habe ich dazu zahlreiche Vorschläge und Konzepte vorgelegt. Mein Akzent liegt auf der neueren Zukunftsforschung, die Rolf Kreibich in dem Beitrag "Zukunftsforschung" (Sonderdruck aus dem Handwörterbuch des Marketing, Herausgeber Bruno Tietz, Richard Köhler und Joachim Zentes, Schäffer-Poeschel Verlag 1995) folgendermaßen definierte: "[...] Die neuere Zukunftsforschung geht davon aus, daß die Zukunft prinzipiell nicht vollständig bestimmbar ist, und daß verschiedene Zukunftsentwicklungen (Zukünfte) möglich und gestaltbar sind. Zukunftsforschung enthält neben analytischen und deskriptiven Komponenten immer auch normative, prospektive, kommunikative und gestalterische Elemente." (S. 2814). Auf die Erkenntnisse der Chaos- und Selbstorganisationstheorie eingehend schrieb er: "Die Zukunftsforschung ist in besonderer Weise herausgefordert, neue Erkenntnisse über das Verhalten komplexer dynamischer Systeme zu adaptieren und fruchtbar zu machen [...] Zu nennen sind hier vor allem neue, weiterführende Erkenntnisse der Evolutionstheorie, die Chaostheorie, die kybernetischen Ansätze in komplexen Systemen, die Theorie dissipativer Strukturen und die Synergetik sowie die Theorie der Autopoiese und Selbstreferentialität. Der Zukunftsforschung eröffnen sich hierdurch neue wissenschaftliche Grundlagen, die in besonderer Weise geeignet erscheinen, in einer prinzipiell nicht vollständig bestimmbaren Welt Erkenntnisse über die Organisation und Entfaltung komplexer dynamischer Systeme zu erhalten" (S. 2832). Darüber hinaus bin ich der Kritischen Futurologie, die Ossip K. Flechtheim in den 1940er-Jahren begründete, verpflichtet. Ossip K. Flechtheim hat folgende Postulate für seine Futurologie in seinem Werk "Der Kampf um die Zukunft. Grundlagen der Futurologie" (Dietz Verlag 1980) aufgestellt:

"1. Die Welt ist dynamisch, sie ändert sich in ihren Grundstrukturen, sie produziert Neues.

2. Gewisse Grundstrukturen des Wandels sind zumindest teilweise erkennbar.

3. Richtung und Tempo der Änderungen können hier und da in groben Zügen vorhergesehen werden.

4. Auch antithetische (gegensätzliche) Prognosen und Projektionen haben ihren Wert - sie können zur Klarlegung von Problemen und Krisen beitragen und sogar teilweise richtig sein (Spezifizierung bezüglich Zeit, Raum, Gruppe usw. oder Grad der Wahrscheinlichkeit).

5. Innerhalb dieses Rahmens besteht Freiheit der Wahl und der Gestaltungsmöglichkeit.

6. Durch das Erkennen des Notwendigen, Möglichen und Gewollten wird die Zukunft mitgestaltet."
(S. 16-17).

Die Kritische Futurologie wurde insbesondere von Robert Jungk unterstützt und vorangetrieben. Robert Jungk hat mit der von ihm entwickelten Zukunftswerkstatt und den theoretischen Grundlagen der Kritischen Futurologie die partizipative Zukunftsgestaltung unterstützt.

Mit diesem Verständnis von Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung, die für mich nur Sinn macht, wenn sie Wissen generiert, um das "Leitbild der nachhaltigen Entwicklung" voranzutreiben, arbeite ich insbesondere auf publizistischer Ebene. Des Weiteren engagiere mich durch Vortragsarbeit und unterstütze einige Nichtregierungsorganisationen, die diese Ziele ebenfalls zum Thema haben.

Ich bin Gründungsmitglied des Netzwerk deutschsprachiger Zukunftsforscher www.netzwerk-zukunftsforschung.eu und stehe seit den 1970er-Jahren mit den wichtigsten Vertretern der deutschsprachigen Zukunftsforschung in regelmäßigen Kontakt.

Meine Bücher wurden im o. g. Verständnis von Zukunftsforschung geschrieben. Ebenso wird die Zeitschrift BLICKPUNKT ZUKUNFT (www.blickpunkt-zukunft.com) , die ich im Jahre 1980 gegründet habe, in diesem Sinne herausgegeben.

Nachfolgend sind drei Bücher zur Zukunftsforschung aufgeführt.


Erstens das FOCUS-Jahrbuch 2012 mit meinem Beitrag:

"Zukunftsforschung für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts"

in: FOCUS-Jahrbuch 2012. Prognosen, Trend- und Zukunftsforschung, Hrsg. Wolfgang J. Koschnick, S. 483-522, FOCUS Magazin Verlag GmbH, München 2012

Softcover ISBN 978-3-9810887-9-3, Januar 2012, 29,90 €

Verlagsinformation:

Im Mittelpunkt des neunten FOCUS-Jahrbuchs steht die Trend- und Zukunftsforschung, ihre Methoden, Begriffsbestimmungen, Möglichkeiten und Grenzen. Herausgeber Wolfgang J. Koschnick hat renommierte Experten aus Forschung und Praxis um ihre Einschätzungen gebeten. Sie stellen Konzepte, Instrumente und Ergebnisse vor, bewerten und kritisieren diese. Dabei ist ein spannendes Jahrbuch entstanden, das nicht nur faszinierende Trends und Szenarien von morgen darstellt, sondern auch die gesamte Komplexität dieses jungen Forschungsfelds einfängt.
 
FOCUS lenkt mit dem neuen Jahrbuch 2012 einmal mehr den Blick auf aktuelle Themen des digitalen Zeitalters, thematisiert innovative Denkweisen und gibt Anstöße für kontroverse Diskussionen. Die Reihe der FOCUS-Jahrbücher hat sich als Plattform für den Meinungsaustausch der Medien- und Kommunikationsbranche etabliert. Sie bietet wissenschaftliche Beiträge, Analysen und Essays von renommierten Fachleuten aus Werbe- und Mediaagenturen, Marketing und Medien sowie von Universitäten und Fachhochschulen – und liefert damit das für jeden Marketing- und Mediaprofi notwendige Basis- und Hintergrundwissen für den Beruf.

Vorwort, Inhaltsverzeichnis und Bestellinformationen:

www.medialine.de/deutsch/ wissen/publikationen/jahrbuch.html


Zweitens der Sammelband "Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis", den Reinhold Popp und Elmar Schüll als Festschrift zum 70. Geburtstags des wohl wichtigsten deutschen Zukunftsforschers, Rolf Kreibich (www.izt.de), herausgegeben hat.

Darin enthalten ist mein Beitrag "Evolutionäre Zukunftsforschung - Ein Denkanstoß" Siehe auch http://www.springerlink.com/ content/j080314360746657/?p=48da68fd27c34f87952bd2762401f7a2 &pi=8

Prof. Dr. Rolf Kreibich, Zukunftsforscher und Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), feierte im Dezember 2008 seinen 70. Geburtstag. Während des Festaktes wurde dem Jubilar zum 70. Geburtstag die Festschrift

Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung
Beiträge aus Wissenschaft und Praxis

überreicht. Zu dieser Publikation, die als wichtigste Neuerscheinung in der deutschsprachigen Zukunftsforschung gilt, habe ich den Beitrag "Evolutionäre Zukunftsforschung - Ein Denkanstoß" auf den Seiten 117 - 128 beigesteuert.

Weitere Informationen IZT Pressemitteilung

Über dieses Buch: "Zukunft und Forschung" stellt den aktuellen Diskussionsstand und das breite Spektrum der wissenschaftlich betriebenen Zukunftsforschung im deutschsprachigen Raum vor. Die wichtigsten Methoden und Anwendungsgebiete dieses dynamischen Forschungs- und Handlungsfeldes werden ebenso thematisiert wie bedeutsame historische Leistungen und aktuelle Forschungsergebnisse, die die Disziplin selbst betreffen: Wo liegen die Grenzen der Vorhersagbarkeit? Wie weit reichen die planerischen, prognostischen und probalistischen Aussagen der modernen Zukunftsforschung? Was sind die wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Zukunft? Bemerkenswert ist das breite thematische Spektrum. In der Festschrift werden zukunftsorientierte Fragen aus den Bereichen Verkehr/Automobil, Klima, Energie, Geopolitik, Demografie, Kunst und Kultur, Soziologie/Partizipation, Kommunikationswissenschaft, Ökologie, Neue Technologien, Technikfolgenabschätzung, Regionalentwicklung, Stadt- und Landschaftsplanung, Geopolitik und Wirtschaftswissenschaften, und vielen anderen mehr thematisiert. Die Beitragsautoren stammen aus universitären, unternehmerischen sowie politiknahen Forschungseinrichtungen.


Drittens mein Buch "Kurskorrektur. Bausteine für die Zukunft" in dem ich u. a. das Konzept einer evolutionär orientierten und der nachhaltigen Entwicklung verpflichteten Zukunftsforschung für eine breite Öffentlichkeit darstelle.

Kurskorrektur. Bausteine für die Zukunft

Steuert die Menschheit auf eine ökologische und soziale Katastrophe zu? Treibhauseffekt, Ozonloch und Ressourcenverknappung, weltweit wachsende Arbeitslosigkeit und Armut sind nur einige Stichworte zu Missständen, deren Anfänge bereits in den Siebzigerjahren in der Studie "Grenzen des Wachstums" diagnostiziert wurden. Bis heute, so stellt Werner Mittelstaedt fest, haben sich diese zukunftsgefährdenden Megatrends noch verstärkt. Ohne Kurskorrektur, so seine kritische Analyse, werden die ökologischen, sozialen, kulturellen und humanitären Katastrophen, denen wir tagtäglich begegnen, weiter anwachsen. Doch angesichts der globalen Informationsflut, der immer komplexer werdenden Zusammenhänge und des damit verbundenen Verlustes von Wertorientierungen haben die Menschen ihre Zukunftssorgen weitgehend in den privaten Bereich verlagert.

Gegen den verbreiteten Pessimismus und die Resignation vieler Menschen liefert Mittelstaedt hoffnungsvolle Zukunftsbilder. Er entwirft das Modell einer evolutionär orientierten Zukunftsforschung, mit der man den negativen Megatrends entgegenwirken und die nachhaltige Entwicklung für den gesamten Globus ermöglichen kann. Indem er die gängigen Arbeitsmethoden der Zukunftsforschung transparent macht und zahlreiche Bausteine für eine Kurskorrektur bietet, ermöglicht er jedem Einzelnen, sich an der nachhaltigen Gestaltung unserer Welt zu beteiligen.