MEINE ZEITZEICHEN
Texte, Statements, Vortrags- und Buchpassagen

(Der aktuellste Eintrag befindet sich am Ende!) 

26. April 1986 (atomarer Supergau im Kernkraftwerk von Tschernobyl)

Editorial in BLICKPUNKT ZUKUNFT Ausgabe 13. Veröffentlicht am 01. Oktober 1986

www.blickpunkt-zukunft.com/4media/download/BZ13.pdf


1993 (drohende Klimakatastrophe)

Buchpassage aus "Zukunftsgestaltung und Chaostheorie", Verlag Peter Lang 1993, S. 44f.

... Die einzige Frage, um die es sich noch drehen kann, ist, wie stark sich die Atmosphäre erwärmt. 1,5 bis 4,5 Grad Celsius wird als Schwankungsbreite angenommen, wenn sich nur das Kohlendioxid verdoppelt, dem ein Anteil von 50 Prozent am Treibhauseffekt zugerechnet wird ... Es wurde errechnet, daß pro Sekunde derzeit rund 1000 Tonnen zusätzliches Kohlendioxid (!) in die Atmosphäre geleitet werden, die durch ineffiziente Verbrennung fossiler Brennstoffe und Brandrodung tropischer Wälder entstehen ...     

1995 (drohende Klimakatastrophe)

Auszug aus dem Vortrag "Wandel ist möglich. Zukunftsgestaltung und Chaostheorie" am 19. Januar 1995 in der  Bibliothek für Zukunftsfragen (Robert-Jungk-Stiftung) in Salzburg von 19.30 - 21.40h

... Zum Beispiel ist das Artensterben von folgenden Randbedin­gungen abhängig: Rodung von Wäldern, Übersäuerung von Gewässern, Treibhauseffekt, Klimaänderungen, Ausweitung der Ackerflächen usw. Ändern sich diese Randbedingungen (durch Zu- oder Abnahme bzw. po­sitiver oder negativer Rückkopplung), so ändern sich die Anfangsbedin­gungen für das Artensterben und für die meisten in der Grafik aufgeführ­ten Weltprobleme: eine Zunahme der Rodung von Wäldern würde z.B. das Artensterben erhöhen. Eine höhere Rodung der Wälder bedingt aber auch die Zunahme von CO2 (Kohlendioxid). Kohlendioxid ist wiederum erheblich für den bereits eingesetzten anthropogenen Treibhauseffekt verantwortlich, der den Anstieg des Meeresspiegels bewirkt. Dadurch wird Landverlust ausgelöst, der einen Rückgang der Nahrungsmittelpro­duktion sowie Not und Elend für viele Menschen bewirkt, was wiederum die sogenannten Wanderungsbewegungen auslöst usw. Diese Ursachen-Wirkungsbezie­hungen, die Sie, liebes Publikum, in dieser Grafik wiederfinden, sind zwar ein sehr grobes Raster, das aber dennoch aufzeigt, wie sehr sich die einzelnen Probleme wechselseitig bedingen. Dahinter befindet sich der Mensch mit seinen Wert- und Handlungsmustern, der diese Zukunfts­probleme beeinflußt. Ein kleines und sehr einfaches Beispiel: Heute flie­gen viele Europäer zu den Malediven - ein Inselstaat im Indischen Ozean. Ein beträchtlicher Teil dieses Inselstaates könnte durch den bereits ein­gesetzten Treibhauseffekt, der sich nicht auf Prognosen, sondern auf eindeutig feststehende Trends begründet, im nächsten Jahrhundert überflutet werden, weil der Treibhauseffekt den Anstieg des Meeresspiegels be­wirkt. Ein Anstieg des Meeresspiegel um 1 Meter würde die Malediven zum Verschwinden bringen. Heute schon bauen die Bewohner der Malediven Deiche gegen die immer häufigeren Sturmfluten, aber sie können nicht alle Inseln der Malediven durch Deiche schützen. Alle Tendenzen zeigen, daß der Treibhausef­fekt durch menschliche Aktivitäten bereits eingesetzt hat. Die Vorboten eines Anstieges des Meeresspiegels sind z.B. der stetige Rückgang der Dauerfrostböden z.B. in Sibirien; der Rückgang der Polkappen, die glo­bale Zunahme des Windes um ca. 15 % in den letzten 25 Jahren und die globale Erhöhung der Temperatur in den letzten 4 Jahrzehnten.

Personen, die zu den Malediven fliegen, beschleunigen - so seltsam es sich zunächst an­hört - die Gefahr der Überflutung und damit den Wegfall der Malediven, weil sie durch den Hin- und Rückflug zu den Malediven den Treib­hauseffekt beschleunigen, da Flugzeuge Treibstoff ver­brauchen und dadurch das klimarelevante Treibhausgas CO2 produzieren. Flugzeuge sind durch ihre Flughöhe, ihren ungünstigen Energienut­zungsgrad und andere Faktoren besonders schädlich für das Weltklima. Schon ein Flug von nur 4 Stunden ist nach Berechnungen des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie aus dem Jahre 1993 so schädlich für das Weltklima wie ca. 20.000 Autokilometer mit einem Mittelklassewa­gen.  Konsequent formuliert, bedingt na­türlich jedweder Verbrauch von fossilen Rohstoffen das Anwachsen der Klimaprobleme ... Im Sinne der eingangs erwähnten sensitiven Abhängigkeit von den An­fangsbedingungen hat auch lokales und individuelles Handeln (z.B. der Erhalt eines Baumbestandes in einem Stadtteil; Sparmaßnahmen aller Art oder das Für und Wider einer Reise mit dem Flugzeug) globale Fol­gen, die zwar mikroskopisch klein, aber vorhanden sind! ...


11. September 2001 (Terroranschläge in den USA) 

Statement zu NineEleven am 13. September 2001 auf der Website der Gesellschaft für Zukunftsmodelle und Systemkritik e.V. - GZS veröffentlicht

www.zukunft-gzs.de/aktuelles/13-09-2001/index.html 


26. Dezember 2004 (Tsunami-Katastrophe in Südostasien)

Veröffentlicht am 09. Januar 2005 in verschiedenen Medien

www.werner-mittelstaedt.com/download/WM090105.pdf?a=1ddad9999ec66a3026c6d4660ccc1c40


Japan, 11. 03. 2011: Die gewaltigen Katastrophen und die Zukunft der Atomenergie

Veröffentlicht am 20. März 2011 in 

www.politik-poker.de/zukunft-der-atomenergie.php 


24. März 2014

Big Data

Im Windschatten des NSA-Skandals werden die vielfältigen „ganz legalen“ Ausspähungen sowie Manipulationen vieler Millionen Menschen durch Algorithmen, die „Big Data“ nutzen, von großen Teilen der Bevölkerung nicht richtig wahrgenommen und/oder nicht ernst genug genommen. Die Politik agierte und reagierte bislang zu zaghaft und hinkt den vielfältigen Entwicklungen um „Big Data“ ohne Zweifel hinterher. Sie kann zwar diese Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr aufhalten, aber trotzdem kann sie mehr für die Sicherheit unserer Daten unternehmen. Doch letztendlich liegt es an uns, die „Hoheit“ über unsere Daten zu bewahren.

lesen: www.politik-poker.de/big-data.php 


30. September 2015

Fünfzehn Thesen zur Flüchtlingskrise

von Werner Mittelstaedt

1. Das Recht auf Asyl in Deutschland für Menschen, die aus Ländern flüchten, in de­nen Kriege stattfinden oder in denen sie aus rassistischen, religiösen, nationalisti­schen, politischen oder ethnischen Gründen verfolgt werden, darf nicht weiter auf­geweicht werden.

2. Menschen müssen auch ein Recht auf Asyl bekommen, wenn sie aus Ländern kom­men, in denen die Lebensverhältnisse so miserabel sind, dass ein menschenwürdi­ges Leben unmöglich ist (z. B. Flucht aus Gründen des Klimawandels, der Zerstörung der Lebensgrundlagen etwa durch Landgrabbing der reichen Länder des Nordens, der Vernichtung der Lebensgrundlagen von Kleinbauern durch die EU- und US-Ag­rarpolitik u.v.m.).

3. Deutschland benötigt endlich ein Einwanderungsgesetz. Die Gründe: a) Durch ein Ein­wanderungsgesetz wird Illegalität vermieden und es werden regulierte Wege der Migration ermöglicht. b) Das derzeitige Zuwanderungsgesetz leistet dies nicht. c) Deutschland benötigt jährlich weit über 500.000 Menschen, die zu uns einwan­dern müssten, damit es aufgrund seiner demografischen Entwicklung (Überalte­rung, zu we­nige Kinder) sein Lebensniveau halten kann.

4. Sinti und Roma, die aus sogenannten sicheren EU-Staaten (speziell Bulgarien, Rumä­nien, Serbien) nach Deutschland kommen und Asyl beantragen, sollten auf­grund der starken Diskriminierung, der sie in diesen Ländern ausgesetzt sind, in grö­ßerer Anzahl als in den vergangenen Jahrzehnten Asyl erhalten. Darüber hinaus muss die EU mit politischen Mitteln mehr darauf drängen, dass Sinti und Roma in ihren Mitgliedsländern nicht mehr diskriminiert werden. Sinti und Roma in Deutschland in höherer Anzahl als in den vergangenen Jahrzehnten Asyl zu gewäh­ren, wäre auch ein Akt später „Wiedergutmachung“ aufgrund der Verbrechen, die das NS-Regime an Sinti und Roma begangen hat

5. Es muss möglich sein, dass Menschen Asyl in ihren Heimatländern beantragen kön­nen, wenn sie in Länder der EU einreisen wollen. Sollte dies realisiert sein, so kön­nen sie über sichere Wege in die EU kommen. Damit würde den Schlepperbanden das Handwerk gelegt.

6. Waffenexporte in Krisenländer und in Länder, die Krisen schüren, müssen sofort ein­gestellt werden. Hier muss Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur der Welt eine Vorreiterrolle spielen!   

7. Asylbewerberinnen und Asylbewerber sollten möglichst schnell ein Arbeitsvisum er­halten. Ihnen sollten zeitnah Jobangebote gemacht werden und berufliche Per­spektiven aufgezeigt werden.

8. Den Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kom­men, müssen mehr Arbeitsplätze mit unmittelbarer Sprachförderung angeboten werden, die u. U. auch durch die Bundesregierung subventioniert werden sollten.

9. Die Situation für die Menschen in den Kriegs- und Krisenländern des Südens muss durch die Länder des Nordens erheblich verbessert werden, um die Fluchtursachen zu reduzieren. Es muss die neokolonialistische Ausbeutung und die damit verbun­dene Zerstörung der Umwelt in den Ländern des Südens durch den Norden beendet werden. Die noch intakten gesellschaftlichen Strukturen in den Ländern des Südens müssen bewahrt werden. Eine faire Entwicklungszusammenarbeit ist vonnöten, die sich an den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung orientieren muss. Hilfe zur Selbstentwicklung für die Menschen des Südens muss massiv gefördert werden. Das notwendige Know-how zur Umsetzung der in diesem Punkt angesprochenen Forderungen ist weltweit vorhanden. 

10. Die finanzielle Unterstützung der Flüchtlingslager in den Anrainerstaaten der Kriegs­länder (insbesondere in der Türkei, in Jordanien und im Libanon) muss ganz erheblich materiell und finanziell durch alle Länder des Nordens verbessert werden. Die Flüchtlingslager müssen in jedweder Hinsicht bessere Lebensbedingungen für ihre Bewohner ermöglichen. Besonders wichtig ist es, ausreichend Schulen in den Flüchtlingslagern einzurichten. Damit würde vermieden, dass die Flüchtlinge aus diesen Flüchtlingslagern den Weg nach Europa nehmen. Würde es bessere Bedin­gungen in den Flüchtlingslagern geben, dann würden die Menschen in den Flücht­lingslagern bleiben, bis die Kriege zu Ende sind, um dann wieder in ihre Hei­matlän­der zurückzukehren.

11. In Deutschland muss der soziale Wohnungsbau drastisch gefördert werden. Deutsch­land wird aufgrund der Flüchtlingsströme einerseits und der notwendigen Einwanderung (Zuwanderung) andererseits in den nächsten Jahren sehr viel mehr Wohnraum benötigen.

12. In Deutschland muss die Bundesregierung den Kommunen wesentlich mehr Geld für die Beherbergung und Integration von Flüchtlingen, Asylbewerberinnen, Asyl­bewerber und Einwanderer (Zuwanderer) zur Verfügung stellen.

13. Mehr Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die die Integration von Flüchtlingen zur Aufgabe haben und die die Koordination der ehrenamtlichen Integrationshelfe­rinnen und -helfer steuern, sind dringend notwendig. Darüber hinaus muss die psy­chotherapeutische Versorgung von traumatisierten Kriegsflüchtlingen deutlich ver­bessert werden.

14. Es müssen wesentlich mehr Lehrerinnen und Lehrer für den Schulunterricht (Kin­der, Jugendliche und Erwachsene) und für die Sprachschulung zur Verfügung ge­stellt werden.

15. Jede(r) ist aufgefordert, auf Rassismus in jedweder Form zu reagieren. Das bedeu­tet, dass hingesehen und möglichst zeitnah reagiert werden muss, wenn jemand rassistisch angefeindet wird.


Diese Fünfzehn Thesen wurden an das Bundeskanzleramt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und an das Bundesinnenministe­rium versendet.

Redaktionsschluss war der 30. September 2015